Zufalliger webcam sex

18-Nov-2015 03:21

Auch, wenn der große Hype vorbei ist: Wer wissen will, wie das Internet funktioniert, der muss sich nur Chatroulette anschauen.Es bringt einem alles bei, was man übers Netz wissen muss.

Für alle, die es verpasst haben: Das System „Chatroulette“ ist schnell erklärt: Man setzt sich vor die Webcam, und Chatroulette verbindet einen per Zufallsgenerator mit jemandem, der gerade genau dasselbe tut.In diesem Sinn ist der Next-Button auch ein Notausstieg: Wenn meine Maßstäbe und die des Partners nicht zusammenpassen steige ich einfach aus. Viele Chatroulette-Nutzer gierendeshalb nach Aufmerksamkeit. Denn vom Anderen – mag er fremd sein, wie er will – einfach missachtet zu werden, einfach kommentarlos weitergeklickt zu werden, ist nicht schön.Oder, weniger dramatisch formuliert: Wenn der Partner, mir zu nackt, zu angezogen, zu dünn, zu dick, zu dumm, zu klug, zu laut usw. Das ist die einzige Regel, die bei Chatroulette gilt: Wer nicht will, kann weiter. Das wirft einen auf die Unzulänglichkeiten zurück, die man in den Augen des Anderen vielleicht haben könnte.ist, wenn ich also, nach Hundersttelsekunden oberflächlicher Bewertung zu dem Schluss komme, dass wir nicht zusammenpassen, kann ich schnell und einfach verschwinden. Manche Nutzer inszenieren regelrechte Sekunden-Performances, um den Anderen sofort zu fesseln und bei der Stange zu halten: Es gibt für diesen Zweck alle erdenklichen Arten von Masken.Es gibt einen Nutzer – man stolpert hin und wieder mal über ihn oder seine Nachahmer – der in Sekunden eine Zeichnung seines Gegenüber anfertigt.Das ist vergleichsweise oft ein Mann, der meint, ihm beim Masturbieren zuzusehen, sei genau das, worauf sein neuer, zufälliger Freund gerade noch gewartet hätte.

Das ist der erste, der vodergründigste Nutzen des Next-Buttons, den der Chatroulette-Erfinder Andrej Ternowskij wohlweislich in seine Kreation eingebaut hat: Es ist ein Peniswegmachknopf.

Ein Klick, und der Zufallsgenerator verbindet einen mit dem nächsten Partner. Und wer anonym ist, hat mit niemandem Konsequenzen auszuhandeln hat als mit sich selbst. Sowohl diejenigen die Chatroulette vorgibt – „16+, clothes“ – als auch grundlegende Regeln des menschlichen Zusammenlebens wie „Du sollst Fremden nicht deinen erigierten Penis zeigen und sie dann noch fragen, ob sie dir ihre Brüste zeigen“ Oder umgekehrt, auch das soll es geben.

Positiv formuliert heißt das: Bei Chatroulette ist jeder sich selbst überlassen.

Es gibt Musiker an buchstäblich jeder Art von Instrument, von Zeit zu Zeit sogar komplette Bands, die für den Anderen vor der Webcam agieren: Ein Wohnzimmerkonzert über den Atlantik hinweg.

Der Next- Button generiert tausendfach kreative und ungewöhnliche Strategien, die nur dem einen Zweck dienen, den Anderen davon abzuhalten, ihn zu benutzen.

Oder anders: Den Anderen davon abzuhalten, dem Nächsten den Vorzug zu geben.